09.08.18

Die Frucht meines Lebens? - Fehlanzeige!

Von: Hermann Kügler

Scheiternd im Glauben bestehen

 

von Hermann Kügler

Ein kleines Volk in dürrem Land – kein Wunder, dass die Fruchtbarkeit von Mensch, Tier und Acker eines der großen Themen des Alten Testaments ist. Einige der gedanklichen Linien werden im Neuen Testament weitergezogen. Doch was bedeutete Fruchtbarkeit für Jesus? Ein kurzer Spaziergang durch die Jahrhunderte gipfelt in einer gewagten Schlussthese, mit der wir zur Diskussion einladen möchten.

Für alle Spezies, deren Überleben davon abhängt, sich fortzupflanzen, ist Fruchtbarkeit, d.h. die eigene, die der eigenen Artgenossen und die der Lebewesen, die für das eigene Überleben genutzt, gefressen oder gejagt werden, von äußerster Wichtigkeit. So überrascht es nicht, dass das Thema Fruchtbarkeit vermutlich seit den Anfängen der Menschheit in allen Kulturen und sämtlichen Religionen höchste Wertschätzung genießt.

Das Bedürfnis, mehr Ressourcen zu unserer Verfügung zu haben, als wir eigentlich bräuchten, um in Notzeiten darauf zurückgreifen, unser Überleben sichern und unsere Fruchtbarkeit gewährleisten zu können, ist gleichsam unauslöschlich in uns verankert und wurde in den letzten Jahrtausenden in praktisch allen religiösen Variationen durchbuchstabiert. Möglicherweise waren Überlebenswille und der Wunsch nach Fortpflanzung sogar wichtige Triebfedern, die die Menschheit dazu führten, sich überhaupt mit religiösen Fragen zu befassen: Als die solaren und lunaren Zusammenhänge und die Bewegungsmuster der Gestirne erkannt worden waren, wurde es möglich, die Zeiten für Saat und Ernte besser zu bestimmen, die Fruchtbarkeit der Felder und Nutztiere zu verbessern und das eigene Überleben sicherer zu gestalten – religiöse und metaphysische Fragen schlossen sich ganz selbstverständlich an.

Hermann Kügler, geboren 1952, ist katholischer Ordenspriester (Jesuit) und Pastoralpychologe und leitet die Beratungsstelle „Offene Tür“ in Mannheim. www.jesuiten.org/hermann.kuegler

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