09.02.17

Was denkt und fühlt ein Mensch mit Demenz?

Von: Helga Rohra

Ein Einblick

Von Helga Rohra

Land des Vergessens“, „Der Weg ins Nichts“ – so und ähnlich lauten die Überschriften, wenn es um Demenz geht. Helga Rohra stellt sich dagegen. „Ja zum Leben trotz Demenz!“ hat sie ihr Buch genannt. Sie schreibt nicht nur über Demenz, sie lebt täglich mit der Demenz.

Als ich im Jahr 2008 die Diagnose bekam, versank ich in eine tiefe Depression. Düstere Gedanken kreisten in meinem Kopf: „Bin ich jetzt nur noch eine Last für die anderen?“ „Was bin ich überhaupt noch wert?“
Wenn man eine Krise durchlebt, gerät das ganze Gebilde der eigenen Persönlichkeit ins Wanken. Alle Beziehungen müssen neu überdacht und geordnet werden. Es bleibt, im wahrsten Sinne des Wortes, kein Stein auf dem anderen. Der Menschen neben mir, sei es mein Sohn, eine Freundin oder ein Bekannter: Es ist immer die Angst da, nicht verstanden zu werden. Ich bin mit mir selbst absolut unzufrieden. Ich vergesse Dinge, ich mache Fehler. Über allem schwebt das drohende Scheitern, und dann ist ständig diese Trauer da, stark und herausfordernd. Ein Gefühl der Ohnmacht, das allgegenwärtig ist. Alle Wahrnehmungen im Beziehungssystem verschieben sich. Die innere Verzweifl ung hat mich im Gri . Was fange ich nur damit an?
Meine Strategie heraus aus dieser Krise war: Ich besann mich auf die innere Stärke, die in jedem Menschen verborgen ist. Wenn ich tief in mich gehe, weiß ich, es geht trotzdem weiter. Vertrauen ist hier essenziell. Vertrauen in mich und in meinen Gott. (...)

Helga Rohra, geboren 1953, war Konferenzdolmetscherin und ist eine der wenigen Menschen mit Demenz, die im öffentlichen Leben aktiv sind. Die Diagnose Lewy-Body-Demenz erhielt sie mit 54 Jahren. Bis heute ist sie als Rednerin auf Kongressen unterwegs und durch ihre Lesungen und Medienauftritte deutschlandweit bekannt.

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