02.11.16

Erloesung durch Ernaehrung

Von: Kai Funkschmidt

Der religiöse Charakter des Veganismus

von Kai Funkschmidt

Seit einigen Jahren kann man eine neue Art von Glaubenskrieg erleben. Da streiten Omnivore (Alles-Esser), Vegetarier, Rohköstler, Fruitarier, Pescetarier und Veganer, da werden Paleo-Food (Steinzeit-Diät), Fair Trade, Bio- und Regio-Essen gegeneinander ausgespielt. Was ist gesund, was ist ethisch sinnvoll? Das richtige Essen wird zur Frage der Weltanschauung, des richtigen Lebens – und manchmal zu einer Art Ersatzreligion, wie das Beispiel des Veganismus zeigt.

Anders als Vegetarier verzichten Veganer beim Essen nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Milchprodukte, Eier und Honig. Einige entsagen außerdem tierischen Produkten in allen Lebensbereichen (Leder, Wolle, Seide usw.). Oft lehnen sie jede menschliche Tiernutzung (Zoo, Jagd, Zirkus) ab. Veganismus liegt im Trend, auch wenn man eine gewisse mediale Aufblähung abzieht. Vegane Kochbücher sind seit Längerem das größte Segment auf dem Kochbuchmarkt, und die Verlage erwarten, dass dies noch eine Weile so bleiben wird. Berlin gilt derzeit als Europas Veganismushauptstadt: Hier sitzt die 2008 gegründete Vegane Gesellschaft Deutschland (VGD), die sich mit dem „Vegan-Magazin“ und der Organisation von Fachmessen (Hamburg 2013, Köln 2016) um die Förderung der Bewegung bemüht. Ebenfalls in Berlin wurden 2011 die ersten Niederlassungen der Supermarktkette „Veganz“ gegründet, die den veganen Verkauf aus der Nische der Öko-Läden herausholte. Sie hat heute zehn Großstadtfilialen in Deutschland, Wien und Prag und ist durch eine Kooperation mit Edeka in den normalen Lebensmittelhandel eingedrungen. (...)

Dr. Kai Funkschmidt, geboren 1963, studierte Theologie und Indologie und wurde dann Pfarrer der Rheinischen Kirche. Seit 2011 arbeitet er als wissenschaftlicher Referent bei der Ev. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Berlin (EZW). Der Beitrag ist eine stark gekürzte Fassung des zweiteiligen Artikels „Erlösung durch Ernährung“ im Materialdienst der EZW, Heft 11 und 12, Berlin, 2015.

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