14.02.18

Peter Pan und seine Freunde

Von: Anton A. Bucher

Warum Menschen sich nicht entwickeln können oder wollen

von Anton A. Bucher

Zum Rhythmus des Lebens gehört die Abfolge der Lebensalter. Nichts ersehnt ein Dreizehnjähriger mehr, als endlich erwachsen zu werden. Oder etwa nicht? Was lange als ein Naturgesetz galt, kennt zunehmend Ausnahmen.

Unzählige Kinder, aber auch Erwachsene haben ihn heiß geliebt: den zwölfjährigen Peter Pan, rothaarig wie ein Fuchs, in einem grünen Gewand wie Robin Hood, der an der Hand der geflügelten kleinen Fee „Glöckchen“ jauchzend durch die schimmernde Mondnacht fliegt, dabei dem Mädchen Wendy Darling und ihren Brüdern John und Michael begegnet und sie ins Nimmerland bringt. Dort bestehen sie viele Abenteuer mit Elfen, Piraten und Meerjungfrauen, bis sich in den Darlingkindern das Heimweh regt, worauf Peter Pan sie zu ihren Eltern zurückbringt, damit sie dort erwachsen werden können. Er selbst bleibt im fantastischen Nimmerland, dem Gefilde immerwährender Kindheit.

Peter Pan wurde zur Symbolfigur dafür, nicht erwachsen zu werden, und damit für ewige Kindlichkeit. Seine Existenzweise widerspricht diametral dem Selbstzeugnis des Völkerapostels Paulus: Er habe abgelegt, „was Kind an mir war“ (1 Kor 13,11), aber auch der Lebensphilosophie des Dichters Hermann Hesse, wonach der Mensch heiter Raum um Raum zu durchschreiten habe, an keinem wie an einer Heimat hängen solle, sondern Stufe um Stufe weiterschreiten, selbst noch in der Todesstunde. Das menschliche Leben als aufwärtsführende Stufenfolge zu sehen, mit jeweils mehr Weit- und Tiefblick, hat im Abendland eine ehrwürdige Tradition. Doch diese sei in den letzten Jahrzehnten obsolet geworden, argwöhnen Kulturpessimisten. Vielmehr schwebe unsere Lebenswelt in der Gefahr, zu Peter Pans „Nimmerland“ zu werden, bevölkert von körperlich Erwachsenen mit Kreditkarte, die aber psychisch und verhaltensmäßig kindlich, besser: kindisch geblieben seien. (...) 

O. Univ.-Prof. Mag. Dr. Anton A. Bucher, geb. 1960 in der Schweiz, studier- te Theologie, Pädagogik und Psychologie in Fribourg und Mainz. Seit 1993 ist er Professor für Religionspädagogik an der Universität Salzburg und be- schä igt sich vor allem mit Religionsunterricht, Ethikunterricht, Kinder- und Jugendtheologie und der Psychologie der Spiritualität.  

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