Suizid: Ein Überblick über Fakten und Forschung
Suizid gehört zum Schlimmsten, was in einem menschlichen Leben vorkommen kann. Nicht nur ein kostbares, einmaliges Leben wird zerstört, auch im Umfeld des Betroffenen bleiben Verletzungen und schwerste Zerstörung zurück. Wie kann es dazu kommen?
Von Arnd Barocka
Eine Bemerkung vorab: Die umgangssprachliche Rede vom „Selbstmord“ ist nicht korrekt, da Mord im Gesetz als eine Tötung aus niedriger Gesinnung definiert ist. Auch wenn man nicht juristisch vorgebildet ist, sollte man dies wissen und stattdessen von Suizid oder Selbsttötung sprechen, um nicht in aggressive Diskussionen verwickelt zu werden. Denn aggressive Diskussionen im Umfeld einer Suizidhandlung, Vorwürfe und Schuldgefühle sind nichts Seltenes. Aggression und Suizidalität gehören zusammen.
Die Wissenschaft vom Suizid
Wissenschaftliche Bemühungen um dieses Gebiet, die Suizidforschung, haben in den letzten hundert Jahren ein solides Wissen gesammelt, das langsam, aber stetig, wenn auch in letzter Zeit ohne größere Durchbrüche, erweitert wird.
Die einfachste Methode, um Aufschlüsse zu gewinnen, ist das Zählen von Suiziden und Suizidversuchen. Dabei fällt auf, dass die Suizidziffer sich jahrelang um die Zahl 25 bewegte, das sind 25 Suizide auf 100.000 Einwohner in einem Jahr. Weiterhin ist festzustellen, dass die Suizidziffer bei Männern mit etwa 32 wesentlich höher liegt als bei Frauen (etwa 18). Schließlich erkennt man, dass die Suizidziffer in Deutschland wie auch in anderen westlichen Ländern seit 1985 kontinuierlich sinkt. Dies gilt als ein ermutigendes Signal für die vielfältigen Bemühungen gegen den Suizid, die Suizidprophylaxe. Leider gibt es auch eine schlechte Nachricht: In der Altersgruppe der 15- bis 30-Jährigen steigen die Suizide an. Noch eine weitere wichtige Tatsache kann man den Zahlen entnehmen: Die Gruppe der mit vollendetem Suizid unterscheidet sich von der Gruppe jener, die einen Suizidversuch überlebt haben. Die Häufigkeit vollendeter Suizide steigt mit dem Alter kontinuierlich an und ist bei den über 80-Jährigen am höchsten. In allen Altersgruppen sind viel mehr Männer als Frauen betroffen. Suizidversuche werden mit zunehmendem Alter seltener. Hier sind Frauen viel häufiger betroffen. Obwohl es im Einzelfall immer anders aussehen kann, ist das typische Suizidopfer ein alter Mann, das typische Suizidversuchsopfer eine junge Frau.
