17.02.20

Gott, Vater, Gottvater

Von: Klaus Dettke

Über Gottesbild und Vaterbild

 

von Klaus Dettke

Reden wir von Gott als Vater, dann ist das eine Bildrede. Das Geheimnis, das wir Gott nennen, kann nicht erfasst und begriffen werden, nicht in Worten, nicht in Bildern, nicht in Begriffen, die wir uns von ihm machen, nicht in all den Namen, mit denen Menschen nach ihm rufen. Wir kommen nicht umhin, unsere Bilder von einem Vater auf Gott zu übertragen. Zugleich sprengt das Geheimnis des lebendigen Gottes all unsere Vorstellungen von ihm. Darum muss zwischen unseren Vaterbildern und dem Geheimnis Gottes unterschieden werden.

In der geistlichen Begleitung wird der Zusammenhang zwischen Gottesbildern und Vaterbildern in der Biografie von Menschen immer wieder thematisiert. Erfahrungen mit dem leiblichen Vater sind wesentlich an der Entstehung des frühkindlichen Gottesbildes beteiligt. Einerseits ermöglichen sie die Ausbildung eines Urvertrauens, andererseits können sie zu inneren Verletzungen führen, die eine Beziehung zum lebendigen Gott blockieren.

FRÜHE ERFAHRUNGEN UND DAS „RELIGIÖSE REPERTOIRE“

Es ist ein Phänomen, das immer wieder zwischen Eltern und Kleinkindern zu beobachten ist: Sie schauen einander mit strahlenden Augen an. Auf dem Arm von Mutter und Vater erleben Kinder, dass über ihnen ein strahlendes Angesicht leuchtet, Ausdruck der Freude über das junge Leben. Ohne Worte und lange unbewusst erfährt der kleine Mensch: Vater, Mutter freuen sich an mir. Es ist wie ein Vorschein für die Segenszusage: „Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden“ (Num 6,24-26).

Dazu gehört auch die prägende Erfahrung, dass Kleinkinder von ihren Eltern getragen werden und sich ganz ihren Armen überlassen können. Das ist wie ein Vorschein für die Verheißungen Gottes: „Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten“ (Jes 46,4).

Es ist wichtig, wahrzunehmen, wie sehr im mehr oder weniger alltäglichen Miteinander von Vätern und Kindern Beziehungsmuster vorkommen, die für das Verstehen religiöser Rede von Gott eine Rolle spielen. Dass Gottes Spuren in der Welt gesehen werden können, dass Gott Mut macht, Neues zu wagen, dass man Gott vertrauen kann, wie einem verlässlichen Vater – das kann besser verstanden werden, wenn Vergleichbares im Leben schon einmal vorgekommen ist. Die Rede von Gott bewegt sich in Bildern aus dem familiären Beziehungsgefüge. „Die innerhalb des Familienverbundes gemachten Erfahrungen als Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Bruder oder Schwester sind offensichtlich unverzichtbar, um das Verhältnis von Gott und Mensch angemessen formulieren zu können.“1 Dabei geht es nun nicht um einfache Übertragungen, sondern um ein möglichst reichhaltiges Erfahrungsfeld an Beschreibungs- und Verstehensmöglichkeiten.

In der Taufe, dem rituellen Ja Gottes zum jungen Menschenkind, bekommt das bis dahin schon oft erfahrene Leuchten in den Augen der Eltern eine spirituelle Tiefendimension. „So wie Vater dich mit leuchtenden Augen anschaut, bist Du von dem Geheimnis angeschaut, das wir Gott nennen.“

Bei unserer Taufe wurde uns gesagt, dass wir Kinder Gottes sind. Wir brauchen ein ganzes Leben, um zu lernen, an diese Zusage unserer Taufe zu glauben. Es geht nicht darum, diese Zusage zu verdienen – wir haben sie ja bereits empfangen –, sondern darum, an das zu glauben, was die Taufe sagt. Wir sind Söhne und Töchter Gottes. Er ist unser Vater. Was einst in Gott war, ist jetzt außerhalb von Gott: nämlich wir. Glücklich, wer diese Zusage hört und annimmt: „Du bist Gottes geliebte Tochter! Du bist Gottes geliebter Sohn!“

Vielleicht kann mancher dies Evangelium nicht glauben, weil da kein Vater war, der an sie, an ihn geglaubt hat. Die Präsenz von Vätern im Familienalltag, die gemeinsame Zeit, die erlebte Verantwortung, die Erfahrung eigener Grenzen am Anderen sind maßgeblich für das „religiöse Repertoire“ von Kindern.

Durch den Vater erfahren Töchter und Söhne, dass sie liebenswert sind, dass Vater sie achtet, bewundert und respektiert. Der Vater stärkt dem Kind das Rückgrat, macht ihm Mut, etwas zu wagen und zu riskieren, das Leben selbst in die Hand zu nehmen. Er hält ihnen den Rücken frei, damit sie ihre eigenen Wege gehen. Dazu gehört auch der Freiraum, Fehler zu machen.

Wenn jemand diese Vatererfahrung nicht kennt, wenn er keinen Vater erlebt hat, der ihm den Rücken freihielt, sucht er sich oft einen „Rückgratersatz“. Das kann eine Ideologie sein, feste Normen, starre Prinzipien.

DER FEHLENDE VATER

Mitscherlich spricht von der vaterlosen Gesellschaft. Das gilt nicht nur für die vielen Kinder, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf ihre Väter verzichten mussten, weil sie gefallen oder in Gefangenschaft waren. Heute verweigern Väter aus anderen Gründen ihre Aufgabe als Vater, was oft nachhaltige Folgen für die Kinder hat. Wenn der Vater ausfällt, durch frühen Tod, durch Abwesenheit, durch Scheidung, dann fehlt dem Kind ein wichtiger Schutz gegenüber den Bedrohungen der Außenwelt und eine entscheidend wichtige Identifikationsmöglichkeit. Dem Kind wird eine angemessene Entwicklung seines Selbstwertgefühls deutlich erschwert. Diese Vaterwunde verletzt die Seele des Kindes umso tiefer, je früher das Kind den Vater entbehren muss.

Richard Rohr erzählt von einer peruanischen Nonne, die in einem Männergefängnis arbeitete. Kurz vor dem Muttertag wurde sie von allen Gefangenen gebeten, ihnen Muttertagskarten zu besorgen. Kurz vor dem Vatertag, der dort auch begangen wird, deckte sie sich rechtzeitig mit genügend Karten ein. Aber kein einziger dieser Männer bat um eine Vatertagskarte. Die Nonne war den Tränen nahe, als sie das Rohr erzählte. Sie spürte einen Zusammenhang zwischen diesem Erlebnis und der Tatsache, dass diese Männer im Gefängnis saßen. Lag es daran, dass diese Männer niemals erfahren hatten, wer sie waren, weil kein Vater ihre Männlichkeit bestätigte?

Das vaterlose Kind, das an seinen Vater weder glauben noch ihn achten kann, sucht sich seine Bestätigung oft woanders. Aber ein Kind, das das Gefühl hat, sein Vater habe ihm wirklich etwas zu geben, wird nicht so dumm sein, darauf zu verzichten. Es wird es sich holen. Töchter, Söhne müssen daran glauben, dass ihr Vater sie liebt, bewundert und respektiert. Nur zu oft bleiben Väter das ihren Kindern schuldig. Negative Erfahrungen mit unseren Vätern können unser Gottesbild nachhaltig prägen, sie können sich nicht zuletzt auswirken in einem tiefen Misstrauen Gott gegenüber.

Es ist schwer, jemandem die Liebe Gottes nahe zu bringen, der sich nie von Menschen geliebt gefühlt hat. Männer und Frauen mit einer „Vaterwunde“ haben den Eindruck, dass sie sich auf Gott nicht verlassen können. Der trägt sie nicht, sondern lässt sie fallen. Der schaut sie nicht liebevoll an, sondern hat immer einen kritischen Blick auf ihr Leben. Unbewusst tragen sie in sich das Bild eines willkürlichen Gottes. Es ist besser, sich gegenüber diesem Gott abzuschirmen, statt sich auf ihn einzulassen.

Viele Menschen meinen, dass ihre Hauptschwierigkeiten mit dem Glauben an Gott intellektuelle Schwierigkeiten sind – Kopfprobleme sozusagen. Ich vermute allerdings: Die meisten Probleme, die ein Mensch mit Gott hat, liegen eine ganze Etage tiefer. Es sind „Herzprobleme“.

Das Herz ist ein Sinnbild für die Personenmitte, für den Ort in uns, an dem unsere ganze Sehnsucht nach Leben entspringt. Das Herz, so könnte man sagen, ist das Zentrum unserer Hingabefähigkeit. Und im Glauben geht es ja im Kern um Hingabe.

Viele Menschen erleben in sich einen tiefen, inneren Riss zwischen sich und Gott. Sie wollen gern glauben – und können es nicht. Ihr Herz ist verschlossen. Nicht selten ist ein Mensch für den Glauben wie verschlossen, weil er innere Verletzungen mit sich trägt.

Für manche ist das ein aufwühlendes Thema. Frühe biografische Erfahrungen mit leiblichen Vätern werden berührt, die schon lange überwunden geglaubt waren. Sie zehren unsere Vertrauensbereitschaft auf, lähmen unsere Hingabefähigkeit, verschließen uns manchmal jahrelang für Gott. Sie verhindern, dass wir uns ihm vertrauensvoll zuwenden können.

UNSERE VERLETZUNGSGESCHICHTE

Die ersten und meist sehr nachhaltigen Verletzungen erfährt ein Mensch oft schon in der frühen Kindheit. Durch die sog. pränatale Psychologie wissen wir, dass bereits ein Embryo verletzt werden kann, z. B. dadurch, dass die Mutter und der Vater das Ungeborene ablehnen.

Kinder haben noch nicht gelernt, sich vor Verletzungen zu schützen. Was eine Kinderseele an Verletzungen speichert, kann das ganze weitere Leben beeinflussen. Der Titel eines Buches heißt: „In dir lebt das Kind, das du einmal warst.“ Das stimmt. Wir haben unsere Kindheit nie einfach hinter uns, sondern tragen sie ständig in uns, mit den Kindheitsverletzungen.

Neben der fehlenden stabilen, bejahenden und stärkenden Präsenz des Vaters denke ich an Sätze, die sich in Kinderseelen eingraben, Sätze wie: „Aus dir wird sowieso nichts!“, oder: „Du machst immer alles falsch!“ Wie auf einem inneren Tonband werden solche Sätze gespeichert. Und wenn der Dreißigjährige dann einen Nagel krumm schlägt, setzt sich das Tonband wieder in Bewegung: „Du machst immer alles falsch!“

Eine Grunderfahrung, die viele Menschen in ihrer Kindheit gemacht haben, heißt: Ich bin nicht wirklich bedingungslos geliebt worden. Das verletzt tief. Statt des leuchtenden Angesichtes des Vaters erfährt das Kind den Blick eines Richters, eines Zensors, eines Antreibers.

Mancher hat eine sog. christliche Erziehung genossen, die hochgradig ungenießbar war. Da wurde Gott als Drohwort missbraucht, Religion als Druckmittel nach dem Motto: „Der liebe Gott sieht alles!“

Seltsamerweise verletzen sich manche Menschen auch selbst. Es gibt so etwas wie innere Selbstgespräche. Dabei geht es oft nicht um positive Themen, bei denen sich jemand innerlich auf die Schulter klopft und sagt: „Toll gemacht! Du bist klasse!“ Oft haben Selbstgespräche einen negativen Inhalt. „Ich habe aber auch immer Pech!“, „Ich tauge zu gar nichts“, „Ich bin überhaupt nicht mehr attraktiv!“ Solche Reden verwunden unser Selbstwertgefühl und gewinnen eine ungeheure Macht. Wo sie sich jemand einredet, beleidigt sich die Person selbst. In Ps 139 sagt der Beter: „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin!“ Gott hält den Menschen für wunderbar. Aber genau das zu glauben, fällt oft schwer. Denn wenn jemand „Nein!“ zu sich sagt, wie kann er glauben, dass Gott „Ja!“ zu ihm sagt? Es ist merkwürdig, aber wahr: Wir verletzen uns auch immer wieder selbst. Oft liegt der Impuls dafür in frühen biografischen Einreden.

Die Reaktion auf innere Verletzungen ist bei vielen ähnlich: Misstrauen wird aufgebaut. Misstrauen ist wie ein Schutzwall gegen neue Verletzungen, und deshalb auch eine verständliche und manchmal wichtige Reaktion. Allerdings kann sich das Misstrauen auch verselbständigen. Im Extremfall erwarte ich gar nichts Gutes mehr. Ich bin immer auf der Hut vor Negativem, rechne überall mit neuen Verwundungen. Es gibt Menschen, die haben sich an diesen Schutzwall des Misstrauens gewöhnt, igeln sich dahinter ein, gehen auf Abwehr, ziehen sich verbittert zurück.

Misstrauen ist wie eine Trennwand, nicht nur Menschen, sondern auch Gott gegenüber. Glauben bedeutet Vertrauen. Wo aber das Misstrauen wie ein schleichendes Gift mein Innenleben durchzieht, frisst es die Kraft zum Vertrauen auf. Mein Misstrauen redet mir ein: „Wag dich nur nicht zu weit raus im Vertrauen zu einem Gegenüber! Dabei ziehst nur den Kürzeren!“ Misstrauen wirkt wie eine Glaubensblockade. Es lähmt mein Herz, lässt meine Hingabefähigkeit absterben, schließt mich in mich selbst ein. Das ist der Grund, warum viele verletzte Menschen nur schwer glauben können, obwohl sie sich vielleicht sehr danach sehnen.

Und noch etwas passiert, wenn wir verletzt werden. Wir legen dann in der Regel „innere Schwüre“ ab. Da missbraucht jemand mein Vertrauen, und ich sage als innere Reaktion darauf: „Ich werde mich nie mehr jemandem anvertrauen!“ In großer Bitterkeit formuliert jemand: „An Gott als Vater glauben, niemals! Ich hatte einen leiblichen Vater. Das reicht für mein Leben!“ – „In der Kirche wird mich nie mehr jemand sehen!“ Diese inneren Schwüre, diese „Nie-mehr-Sätze“ binden uns, halten uns im Misstrauen fest, machen uns zu Gefangenen unserer inneren Wunden; ja, sie verhindern geradezu, dass diese Wunden heilen können. Unseren inneren Schwüren sind wir treu, obwohl wir dadurch unser Leben selbst einengen.

AUF DEM WEG DER HEILUNG

Geistliche Begleitung versucht, die Augen zu ö ffnen für e in wesentliches E lement des Evangeliums: Wir sind auf unsere Erfahrungen nicht festgelegt. Es gibt so etwas wie innere Heilung und einen Neuanfang. Dazu gilt es zu unterscheiden zwischen unseren Vaterbildern und ihrer Übertragung auf Gott, dem Geheimnis, das alle Bilder übersteigt. Konkrete, gangbare Schritte können einen Weg innerer Heilung aufzeigen.

Der Weg braucht Zeit: Tage, Wochen, vielleicht Monate, ja Jahre. Geduld ist gefragt. Wer sich auf den Weg einlässt, wird, wie viele Menschen vor ihm, die Entdeckung machen, dass alte Verletzungen ausheilen können. Das kann für die Geschichte mit Gott wichtig werden. Vielleicht führt der Weg zur inneren Heilung sogar zu einer neuen oder ersten heilsamen Erfahrung mit dem lebendigen Gott selbst. Eine wichtige Voraussetzung ist der Wunsch: Ich will innerlich gesund werden! Die Schritte:

  1. Verletzungen vergegenwärtigen. Nicht verdrängen, sondern ins Bewusstsein kommen lassen, wo meine „Vaterwunde“ liegt, die mich für Gott verschließt.
  2. Die eigene Hilflosigkeit eingestehen. Wer geistliche Begleitung in Anspruch nimmt, signalisiert bereits den Wunsch nach Unterstützung.
  3. Sich nach heilender Liebe ausstrecken. Es gibt wohl keinen Menschen, der sich nicht nach bedingungsloser Liebe sehnt. Innere Verwundungen entstehen durch die Verletzung dieser Sehnsucht in der Vaterbeziehung und in der Übertragung auf Gott.
  4. Sich mit der eigenen Geschichte aussöhnen, d. h. Ja sagen lernen zur eigenen Biografie mit ihren schmerzlichen Zeiten. Dazu gehört auch, die inneren Schwüre zurückzunehmen, die uns selbst festlegen.
  5. Verletzungen dem Vater nicht mehr nachtragen. Wer jemandem etwas nachträgt, ist der Leidtragende. Wer anderen vergeben lernt, tut sich selbst etwas Gutes.
  6. Wieder Gutes erwarten. Erfahrene Verletzungen können den Blick für die Zukunft verdunkeln, können uns einreden: „Alles ist gegen mich!“ Gutes erwarten heißt, entdecken: „Der lebendige Gott ist für dich, 24 Stunden am Tag!“ In der geistlichen Begleitung gilt es dieses Gottesbild stark zu machen, das gespeist wird vom Evangelium.

DIE HEIMKEHR

Auf wunderbare Weise hat das Rembrandt in dem Bild „Heimkehr des verlorenen Sohnes“ dargestellt. Henri J. M. Nouwen betrachtet dieses Gemälde unter dem Thema „Nimm sein Bild in dein Herz“.4 Es ist wie die Einladung, das Geheimnis, das wir Gott nennen, neu zu entdecken. Es ist die Erinnerung, dass für die Beziehung zwischen uns und Gott, ganz gleich was auf unserem Lebensweg geschehen ist, nur eins gilt: seine bedingungslose Liebe.

Er nimmt uns in die Arme und es gilt nur seine Zusage: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, an dir habe ich mein Gefallen.“ Dies Bild verbunden mit den Zusagen aus dem 15. Kapitel des Lukasevangeliums können die kranken und verzerrten Bilder von Gott überwinden. Besonders eindrücklich zeigt das Rembrandt an den ganz verschiedenen Händen des Vaters. Auf sie ist alles Licht gebündelt. Sie ziehen unseren Blick besonders auf sich. Da ist die kräftige und muskulöse Linke. Sie bedeckt einen großen Teil der Schulter und des Rückens des Sohnes. Sie scheint kraftvoll zu halten, zärtlich, mit festem Griff.

Wie anders ist die Rechte! Sie hält nicht und greift nicht. Feingliedrig, sanft, sehr zärtlich und weich liegt sie auf der Schulter, als wolle sie streicheln und liebkosen, trösten und Wohlbehagen schenken. Eine väterliche und eine mütterliche Hand. Gott ist beides, Vater und Mutter. Nouwen schreibt dazu: „Diese Hände sind Gottes Hände. Es sind auch die Hände meiner Eltern, Lehrer, Freunde, Helfer und all derer, die Gott mir gab, um mich daran zu erinnern, wie sicher gehalten und geborgen ich bin.“5 So gilt am Ende: „Vater und Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf“ (Ps 27,10).

Klaus Dettke, geboren 1952, ist Pastor i.R. der Hannoverschen Kirche, Gestaltseelsorger und Geistlicher Begleiter. Bis zu seiner Pensionierung war er fast 20 Jahre Leiter des Geistlichen Zentrums Kloster Bursfelde bei Göttingen. Er lebt in Dransfeld.

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